IVF / ICSI & Hormone
Was eine IVF / ICSI-Behandlung wirklich unterstützt – und was den Zyklus eher stört. Eine ärztliche Einordnung zu Hypnose, Heilpflanzen und begleitenden Verfahren während IVF/ICSI.
Viele Frauen stellen mir nach einem erfolglosen IVF- oder ICSI-Zyklus dieselbe Frage:
„Was kann ich noch machen, um meine Chancen zu verbessern?“
Warum die Frage nach „zusätzlich tun“ so verständlich ist
Eine Kinderwunschbehandlung ist körperlich und seelisch fordernd – und der Wunsch, selbst etwas beitragen zu können, ist groß, noch größer der Wunsch nach dem Baby auf dem Arm. Gleichzeitig ist genau hier Sorgfalt gefragt. Denn während einer hormonell gesteuerten Behandlung gilt nicht: viel hilft viel.
Kurz gesagt:
Während IVF oder ICSI geht es weniger um zusätzliche Reize – sondern um Ordnung, Regulation und innere Ruhe. Alles, was das fein abgestimmte hormonelle Zusammenspiel stört, kann den Zyklus eher behindern als unterstützen.
Heilpflanzen während IVF: gut gemeint, oft ungünstig
Bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung wird der Zyklus gezielt von außen gesteuert. Follikelreifung, Schleimhautaufbau und Lutealphase folgen einem medizinisch geplanten Ablauf.
Maßnahmen, die normalerweise den natürlichen Zyklus regulieren sollen, können in dieser Phase kontraproduktiv sein. Das gilt insbesondere für Heilpflanzen mit hormoneller Wirkung.
Ein klassisches Beispiel ist Mönchspfeffer (Vitex Agnus castus), der den Prolaktin-Spiegel senken kann. Oder Traubensilberkerze (Actaea racemosa), die als selektiver Östrogenrezeptor-Modulator (SERM) wirkt. Was im spontanen Zyklus sinnvoll sein kann, stört während einer Stimulation oder eines Transferzyklus häufig die gewünschte Wirkung der Medikamente.
Meine Empfehlung ist daher klar:
Heilpflanzen gehören in die Vorbereitung – nicht in den laufenden IVF-Zyklus.
Hormone brauchen Klarheit – nicht Konkurrenz
Wenn Sie pflanzliche Präparate einnehmen, informieren Sie bitte unbedingt Ihre Kinderwunschklinik und besprechen Sie dies mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt.
Hypnose wirkt auf einer anderen Ebene
Anders verhält es sich mit Hypnose.
Hypnose wirkt nicht hormonell steuernd, sondern regulierend auf das autonome Nervensystem. Sie hilft, den Stress- und Alarmmodus zu verlassen – einen Zustand, der nachweislich Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.
Aus meiner ärztlichen und hypnotherapeutischen Erfahrung zeigt sich immer wieder:
Wenn das Nervensystem zur Ruhe kommt, regulieren sich viele körperliche Prozesse mit. Auch dann, wenn Frauen subjektiv das Gefühl haben, „nicht richtig in die Hypnose zu kommen“. Ganz wichtig bei medizinischer Hypnose gibt es nicht das „Hypnose-Gefühl“, auf das viele Frauen lauern, Sie sind wach und entspannt… aber selbst, wenn wir dabei mal wegdriften oder einnicken, unser Unterbewusstsein hört dennoch zu.
Das Unterbewusstsein ist erreichbar – auch an unruhigen Tagen.
Regelmäßige Hypnose oder Selbsthypnose kann dabei helfen,
– innere Anspannung zu lösen
– Vertrauen aufzubauen
– mentale Blockaden zu erkennen
– den Körper aus dem Kampf-oder-Flucht-Modus herauszuführen
Das Ziel ist kein positives Denken um jeden Preis, sondern tiefe innere Sicherheit.
Homöopathie & Bachblüten: eine Frage der Potenz
Hochpotenzierte homöopathische Mittel enthalten – je nach Potenz – nur noch minimale bis keine stofflichen Bestandteile mehr.
Ab etwa C23 (entsprechend der Loschmidtschen Zahl) ist davon auszugehen, dass keine Moleküle der Ursprungssubstanz mehr nachweisbar sind – wir können stofflich nur noch die Trägermaterialien Milch-Zucker oder Alkohol feststellen.
Niedrigere Potenzen, insbesondere im D-Bereich, können dagegen noch stoffliche Anteile enthalten. Das gilt nicht nur für pflanzliche Ausgangsstoffe, sondern auch für tierische Organpräparate, wie sie sich in manchen Komplexmitteln finden, etwa Präparate mit Ovarium suis (Schweine-Eierstock).
Gerade hier erlebe ich immer wieder einen inneren Widerspruch: Frauen, die sich aus ethischen Gründen strikt vegetarisch oder vegan ernähren, nehmen unbemerkt homöopathisierte Organpräparate tierischen Ursprungs ein. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Hinweis darauf, wie wichtig informierte Entscheidungen auch in der Komplementärmedizin sind.
Für Frauen in IVF- oder Transferzyklen gilt daher meine Empfehlung:
Hochpotenzen können in der Regel weiter eingenommen werden, niedrig potenzierte Komplexmittel sollten kritisch überprüft und im Zweifel pausiert werden.
Bachblüten enthalten keine hormonell wirksamen Substanzen, sind extrem hochverdünnte Pflanzenextrakte. Sie können zur emotionalen Stabilisierung unterstützend eingesetzt werden ohne Störwirkung.
Mikrobiom, Stress und hormonelle Feinregulation
Störungen des vaginalen oder intestinalen (das ist der Darm) Mikrobioms finden sich häufig bei Endometriose, Einnistungsproblemen oder chronischen Entzündungen. Diese wiederum können bei der Einnistung hinderlich sein. Daneben ist das Estrobolom, die Gesamtheit der Darmbakterien, die in unserem Östrogenhaushalt eine Rolle spielen, wichtig für den Abbau und die Ausscheidung verbrauchten Östrogens.
Pre- und Probiotika gelten bei normaler Dosierung als unproblematisch. Sinnvoll ist jedoch eine gezielte Therapie auf Basis von Befunden – weniger ein unkritisches Multistrain-Dauerfeuer.
Auch hier lohnt sich die Abstimmung mit der behandelnden Praxis.
Gezielt handeln schlägt Aktionismus
Ich erlebe immer wieder Frauen, die in Kinderwunschbehandlungen alles „perfekt“ machen wollen: strikte Diäten, zahllose Präparate, permanentes Kontrollieren.
Doch Schuldgefühle und Daueranspannung erzeugen oft mehr Stress als ein Stück Kuchen bei einer Einladung.
Meine Faustregel lautet:
80 % nährstoffreich, frisch, naturbelassen – 20 % Lebensfreude.
Erst bei bestehender Schwangerschaft gelten strengere Regeln, etwa im Umgang mit rohen tierischen Lebensmitteln.
Weniger tun – und das Richtige, das sollte die Devise sein.
Ordnung ist die Disziplin der Königin
Viele Patientinnen kommen mit einem Sammelsurium an Tees, Tropfen und Kapseln. Ein wichtiger Schritt ist oft nicht, noch etwas hinzuzufügen – sondern auszuwählen und zu reduzieren.
Nicht umsonst nannte Sebastian Kneipp die Ordnungstherapie die "Königsdisziplin der Naturheilkunde".
Gerade bei einer hormonell hochsensiblen Behandlung wie IVF oder ICSI gilt:
Klarheit schlägt wilde Aktivität in alle Richtungen.
Wenn Sie mehr in die Tiefe gehen möchten:
In meinem IVF/ICSI-Hypnose-Programm finden Sie eine erweiterte Version dieses Blogposts als E-Book – ergänzt um zusätzliche ärztliche Einordnungen, praktische Hinweise und natürlich Hypnosen zur Regulation des Nervensystems während der Kinderwunschbehandlung.
Das Programm versteht sich als begleitend, nicht eingreifend und richtet sich an Frauen, die ihre Behandlung bewusst und innerlich stabil durchlaufen möchten und ihren Körper unterstützen möchten, ohne die Kinderwunschbehandlung zu stören.
→ Mehr Informationen zum IVF/ICSI-Hypnose-Programm finden Sie hier
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